10 Tipps zur Wohnungsbesichtigung inklusive Checkliste

dekorierte Wohnung, Wohnungsbesichtigung

Auf den Fotos sah die Wohnung wie der vier Wände gewordene Traum schlechthin aus – aber hält sie auch, was die Fotos versprechen? Und auch wenn es Liebe auf den ersten Blick ist, gibt es ein paar Punkte, die einer realistischen Betrachtung standhalten sollten. Ganz nach dem Motto „Drum prüfe wer sich ewig bindet“, haben wir anbei einige Tipps zur Wohnungsbesichtigung.

1. Vorbereitung ist alles

Es lohnt sich im Vorfeld das Wohnungsexposé noch einmal gründlich durchzulesen und etwaige Fragen an den Makler bzw. Eigentümer zu notieren. Außerdem sollte genügend Zeit eingeplant sein für die Besichtigung – wer durch die Wohnung hetzt, kann leicht Details übersehen, die später eventuell für Ärger sorgen können. Mängel, die schon bei der Besichtigung sichtbar sind, lassen sich nach Bezug der Wohnung nicht mehr reklamieren. Falls Möbel mit in die neue Wohnung sollen, ist es clever diese vor der Besichtigung abzumessen. Damit lässt sich gleich abschätzen, ob das XXL-Bücherregal Platz hat oder nicht.

2. Wohnung zu unterschiedlichen Tageszeiten besichtigen

Die erste Besichtigung sollte unbedingt bei Tageslicht stattfinden. So lässt sich der Zustand der Wohnung besser beurteilen und es zeigt sich auch, wie hell die jeweiligen Zimmer sind. Außerdem rät es sich, das potenzielle Traumobjekt mindestens zwei Mal zu verschiedenen Tageszeiten und Wochentagen zu besichtigen, um einen Eindruck von der Alltagsumgebung zu gewinnen (Verkehr, Nachbarn, anderer Lärm, etc.).

3. Fakten, Fakten, Fakten

Auch wenn die Herzerln in den Augen noch so groß sind, geht es durchaus auch um knallharte Fakten: Hat die Wohnung die entsprechende Zimmeranzahl? Sind die Zimmer gut geschnitten und hell? Ist die Wohnungsgröße ausreichend? Eine leerstehende Wohnung wirkt immer größer. Ein Tipp zur realistischen Einschätzung: Ein Wohnzimmer sollte mindestens 16 Quadratmeter und ein Schlafzimmer mindestens 14 Quadratmeter groß sein. Rechteckige Räume lassen sich übrigens leichter einrichten als quadratische und bieten mehr Möglichkeiten Möbel zu stellen. Weiters sollte auch bedacht werden, ob die Infrastruktur für den täglichen Bedarf ausreichend ist oder ob man damit Leben kann, dass der nächste Supermarkt fünf Kilometer entfernt ist.

4. Mit einem vertrauten Menschen zur (zweiten) Besichtigung gehen

Vier Augen sehen einfach mehr als zwei. Außerdem sieht ein Vertrauter die Wohnung objektiver und kann wichtigen Input geben, ob diese Immobilie zu den Lebensumständen passt.

5. Überprüfung des Wohnungs- und Gebäudezustands

Geeignet hierfür sind Sachverständige für Immobilien oder Ziviltechniker. Die neutrale bzw. sachverständige Meinung über den Zustand ist sehr wichtig, außerdem sieht der Experte mehr als der „normale“ Käufer und kann auch anmerken, was repariert oder erneuert werden muss. So lässt sich auch besser einschätzen, ob der verlangte Kaufpreis realistisch ist bzw. wie groß der Verhandlungsspielraum ist.

6. Grundriss kontrollieren

Vertrauen ist Gut – Kontrolle ist besser! Einfach mit einem Maßband die Angaben noch einmal kontrollieren und einen eigenen Grundriss anfertigen.

7. Grundbuchauszug & Wohnungseigentumsvertrag einsehen

Um nach dem Kauf nicht mit unvorhersehbaren Probleme konfrontiert zu werden, empfiehlt sich ein Blick ins Grundbuch – dort stehen die Eigentumsverhältnisse, Belastungen wie Pfandrechte oder sonstige Verpflichtungen. Außerdem sollte man auch Einsicht in den Wohnungseigentumsvertrag nehmen. Darin sind Stimmrechte, Änderungsrechte oder abweichende Aufteilungsschlüssel der laufenden Kosten angeführt. Erwirbt man ein Wohneigentum, tritt man automatisch und bindend auch dem Wohnungseigentumsvertrag bei.

8. Informationen über geplante Neubauprojekte einholen

Auch wenn die Wohnung ein Traum ist, auch in der Umgebung muss man glücklich werden. Deshalb lohnt sich ein gemütlicher Spaziergang im Grätzl, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Sinnvoll ist es auch beim Bezirksamt oder Nachbarn Informationen einzuholen, welche Neubauten geplant sind, die die Sicht beeinträchtigen können bzw. die Wohnung abdunkeln. Falls dem so ist, ist das ein weiteres Argument um den Kaufpreis zu verhandeln.

9. Energieausweis verlangen

Der Energieausweis ist verpflichtend vom Makler, der Hausverwaltung oder dem Wohnungseigentümer „rechtzeitig“ vor Vertragsunterzeichnung vorzulegen bzw. spätestens 14 Tage nachher zu übergeben. Die Ausweise dürfen dabei nicht älter als zehn Jahre sein – außerdem besteht er nicht nur aus dem „Kühlschrankblatt“ – es muss eine vollständige Kopie inklusive aller Beilagen übergeben werden!

10. Höhe von Betriebs- und Energiekosten erfragen

Um die monatlichen Belastungen abschätzen zu können, sollte man sich im Vorfeld beim Makler/Eigentümer/Bauträger nach den Energiekosten erkundigen bzw. bei Neubau eine Schätzung einfordern.

Checkliste:

  • Wohnungsbesichtigung werktags bei Tageslicht vereinbaren
  • Möbel abmessen
  • Etwaige Fragen notieren
  • Begleitperson mitnehmen
  • Entspricht die Wohnung den Vorstellungen
  • Himmelsrichtungen der Zimmer
  • Grundriss nachmessen
  • Zustand der Wohnung: Böden und Wände in Ordnung
  • Fenster dicht?
    Türen schließen?
  • Ausreichend Steckdosen
  • Alter der elektrischen Leitungen
  • Lärm bei geschlossenen/offenen Fenstern
  • Vorhandene Geräte funktionstüchtig
  • Energiekosten hinterfragen
  • Betriebskostenabrechnung verlangen – sind Sanierungen geplant?
  • Energieausweis anfordern
  • Zustand der allgemeinen Bausubstanz
  • Informationen zu Nachbarn einholen
  • Gibt es Keller und/oder Dachboden (trocken?)
  • Gibt es einen Garagenplatz
  • Infrastruktur: Nahversorger, Kindergärten, Schulen, Spielplätze, Ärzte, öffentliche Verkehrsanbindung
  • Umgebung erkunden
  • Geplante Neubauprojekte im Grätzl
  • Parkplatzsituation (Parkpickerl notwendig?)

Foto: Thomas Hafeneth